THW Bayern: Über 200 Einsatzkräfte beraten in München über Krisenvorsorge. THW Bayern bringt Hilfsorganisationen, Behörden und Experten zusammen.

München (ots) –

Wie gut ist Bayern auf Krisen, großflächige Ausfälle kritischer Infrastruktur oder hybride Bedrohungen vorbereitet? Mit dieser Frage beschäftigten sich mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Zivilschutzfachtagung des THW Bayern auf dem Gelände der Universität der Bundeswehr München.

Vertreterinnen und Vertreter des Technischen Hilfswerks (THW), der Bergwacht Bayern, des Malteser Hilfsdienstes, Des Medizinisches Katastrophenhilfswerk, des Landesamtes für Bevölkerungsschutz sowie weiterer Behörden und Organisationen kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, sich zu vernetzen und gemeinsam die Vorbereitung auf den Zivilschutzfall voranzutreiben.

Die aktuelle sicherheitspolitische Lage macht deutlich: Zivilschutz ist kein Thema vergangener Jahrzehnte. Die Bedrohungen haben sich verändert – von Naturereignissen und langanhaltenden Stromausfällen über Desinformation bis hin zu den Auswirkungen internationaler Konflikte auf die innere Sicherheit. Umso wichtiger ist eine enge Zusammenarbeit aller Akteure im Bevölkerungsschutz.

Der Landesbeauftragte des THW Bayern Dr. Fritz Helge Voß, zog in seinem Vortrag Bilanz über die Entwicklungen der vergangenen Monate. Unter dem Titel „Wo standen wir vor einem Jahr – wo stehen wir heute?“ zeigte er auf, welche Maßnahmen das THW Bayern bereits ergriffen hat, um seine Einsatzbereitschaft im Zivilschutz weiter zu stärken.
„Wir sind resilient. Wir können handeln. Wir wissen, was zu tun ist“, lautete seine zentrale Botschaft.

Dazu wurden unter anderem taktische Einsatzleitlinien entwickelt, die mittlerweile in allen Ortsverbänden beübt werden. Gleichzeitig hat das THW Bayern zahlreiche Fortbildungen zum Umgang mit Desinformation durchgeführt. Ergänzend entstand eine Taschenkarte, die THW-Einsatzkräften Hilfestellungen beim Erkennen und Bewerten von Desinformation sowie beim Umgang mit entsprechenden Situationen bietet.

Einen eindrucksvollen Überblick über die aktuelle geopolitische Lage und deren Auswirkungen auf den Bevölkerungsschutz vermittelte das Landeskommando Bayern. Der Vortrag machte deutlich, dass Sicherheit heute nicht mehr ausschließlich militärisch gedacht werden kann. Eine leistungsfähige Zivilverteidigung und ein robuster Bevölkerungsschutz sind wesentliche Bestandteile der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge.

Wie diese Vorbereitung konkret aussehen kann, zeigten mehrere THW-Ortsverbände anhand von Best-Practice-Beispielen. Vorgestellt wurden unter anderem Maßnahmen zur Bevorratung, zur Härtung eigener Liegenschaften sowie Konzepte zur Sicherstellung der Einsatzfähigkeit auch in langanhaltenden Krisenlagen.

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Inhalte in zehn Fachforen. Themen waren die Durchhaltefähigkeit der Ortsverbände, taktische Einsatzleitlinien, psychosoziale Notfallversorgung im Zivilschutz, medizinische Versorgung im Krisenfall, die Arbeit des Bayerischen Landesamtes für Bevölkerungsschutz, Ergebnisse aus dem Workshop „Phase Drei“, Gewalt gegen Einsatzkräfte, gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge, der Umgang mit Kampfmitteln sowie die Prävention von Unterwanderung und Extremismus.

Die Referentinnen und Referenten kamen unter anderem vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen, der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus, der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie weiteren Fachinstitutionen.
Besondere Wertschätzung erfuhren die ehrenamtlichen Einsatzkräfte durch die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Eva-Maria Kern. In ihren Grußworten hob sie die unverzichtbare Rolle des Ehrenamtes für die Sicherheit der Gesellschaft hervor. Durch die Unterstützung der Universität konnte die Veranstaltung in einem hervorragenden Rahmen durchgeführt werden.

Die Zivilschutzfachtagung machte deutlich: Die Vorbereitung auf Krisen und außergewöhnliche Gefahrenlagen ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Hilfsorganisationen und Gesellschaft. Gerade in einer Zeit wachsender Unsicherheiten sind Vernetzung, Ausbildung und gemeinsame Standards entscheidende Voraussetzungen für eine wirksame Hilfe im Ernstfall.

Das Ziel der Veranstaltung war deshalb klar: voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam die Resilienz Bayerns stärken. Denn die Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz nehmen zu – und Vorbereitung beginnt lange vor dem eigentlichen Ereignis.

„Wir leben nicht mehr in den sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen vergangener Jahrzehnte. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam vorbereiten, voneinander lernen und unsere Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln. Die Zivilschutzfachtagung hat hierfür wichtige Impulse gesetzt“, lautet das Fazit von Herrn Dr. Fritz Helge Voß, der Initiator der Veranstaltung.

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